Critique: Carole Schmitz

Mario Vandivinit – Malerisches Zusammenspiel von Kreativität, Mut, Spontaneität, Farbe und Lebenserfahrung

Mario Vandivinit ist ein Künstler, der sich vom symbiotischen und harmonischen Zusammenspiel der Farben, dem dynamischen Gebrauch des Pinsels und der Freiheit des Künstlers, spontan im Hier und Jetzt zu malen, inspirieren lässt. Er ist ein Autodidakt, der sich mit Mut und Geist bemüht, seinen künstlerischen Stil immer wieder neu zu erfinden. Dadurch, dass er die angewandte Maltechnik regelmäßig neu definiert, erforscht er bisher unbekannte Beziehungen und Wechselwirkungen der Farben auf der Leinwand. Seine Bilder sind nichtgegenständliche, subjektive Abbilder der materiellen Welt, die an der Grenze zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit angesiedelt sind.

Mario Vandivinit, der schon als Kind durch seine Kreativität auffiel, begann seine künstlerische Laufbahn in den frühen 1980er Jahren. Zunächst malte er traditionelle Landschaften in Aquarelltechnik, doch bald reichte ihm diese Technik nicht mehr aus, weil er bestrebt war, auf künstlerischer Ebene fortzuschreiten. Seine Bildersprache wurde immer abstrakter, und zu Beginn der 1990er Jahre wechselte er von der Aquarell- zur Acrylmalerei, um die Wechselwirkungen zu ergründen, die sich ergeben, wenn sich malerische Elemente auf der Leinwand begegnen und gegenseitig befruchten.

Die im Katalog aufgeführten Bilder, die zwischen 2008 und 2010 entstanden sind, gehören zu einer neuen künstlerischen Phase, die durch Kreativität und spontanen Wagemut des Künstlers gekennzeichnet ist. Während er in seinen bisherigen Werken verschiedene organische und konkrete Stoffe verwendete, spiegeln die neuen Bilder die abstrakte Bildsprache wider, deren sich der Künstler seit den 1990er Jahren bedient. Mario Vandivinit möchte in seinem künstlerischen Anspruch Wiederholungen vermeiden und bemüht sich daher um ständige Entwicklung und Bewegung, um den Betrachter herauszufordern und im Geiste der zeitgenössischen Kunst zu malen. Der Betrachter wird auf eine Reise mitgenommen, die von transparenten Strukturen und dynamischen Kompositionen geprägt ist und gleichzeitig den empfindsamen Gebrauch der Farbe unterstreicht.

Die Bilder sind eine unterbewusste und spontane Reaktion auf das, was der Künstler im Leben wahrnimmt und erfährt. Sie sind einmalige Abstraktionen der materiellen Welt, die von der kognitiven Fähigkeit des Künstlers, einen flüchtigen Augenblick festzuhalten, beeinflusst werden. Er verwendet emotionale Farben, abstrakte Formen und flexible Strukturen, um visuelle Metaphern des modernen Lebens zu schaffen. Die Strahlkraft und das Zusammenspiel der Farben ergeben sich aus den Reisen, den Interessen und der Neugier des Künstlers, andere Kulturen, insbesondere in der Mittelmeerregion, kennenzulernen. So hat man oft den Eindruck, auf den Bildern das Meer, Strände, Boote oder auch Märkte zu erkennen, die auf die unterbewusste Verarbeitung von abstrahierten Alltagseindrücken zurückgehen. Auch durch die intuitive Wahl der Farbe vermitteln die Bilder das lebhafte Fluidum der mediterranen Landschaft und die intensive Freude am Leben.

Während der Künstler häufig unterschiedliche Materialien, wie beispielsweise Sand, Papier, Seiden- oder Leinwandreste, bei seinen früheren Bildzyklen verwendet hat, bestehen seine jüngsten Bilder aus dünnen Schichten von verdünnten Acrylfarben. Vandivinits Schaffensprozess setzt sich aus einer Abfolge von Schöpfung, Zerstörung und Neuschöpfung zusammen. Dieses Verfahren hat der Künstler gewählt, weil er vom Konzept der Kreativität und der Spontaneität fasziniert ist, wobei er auch Farbspuren, die beim Malen eines Bildes entstanden sind, in das fertige Kunstwerk einbezieht. Die Wahl der Farben und die Komposition werden beim Schaffensprozess durch das Unterbewusstsein beeinflusst, doch lassen sich auch eindeutige Attribute erkennen, die der Künstler bereits in seinen Aquarellzyklen verwendet hatte und die dann bei der nun verwendeten Acrylfarbentechnik neu erfunden und verarbeitet wurden. Der Farbenreichtum auf der großen Leinwand wird durch komplementäre Farben mit Schwarz als kreativer Komponente weiter verstärkt. Die charakteristischen Eigenschaften der Acryltechnik bieten Vandivinit die Gelegenheit, dynamische und statische Aspekte auszudrücken, um eine klare, unmittelbare und lebendige Wirkung zu erzielen. Zentrale Aspekte seiner künstlerischen Praxis sind Faszination und Studium der 1810 erschienenen Farbenlehre von Johann Wolfgang von Goethe. Diese Theorie, die die allgemeine Wahrnehmung der Farben unter verschiedenen Umständen erforscht, steht im Mittelpunkt der praktischen Arbeit des Künstlers.

In the Beginning

In the Beginning

Das Bild „In the Beginning“ (2009) enthält alle Merkmale, die den derzeitigen Bilderzyklus kennzeichnen. Darin wurden starke Komplementärfarben in dünnen Schichten zusammen mit Schwarz verwendet, um eine dynamische Komposition und eine intensive Kreativität zu vermitteln, mit der eine vom Licht und von den Farben des Alltags inspirierte Abstraktion angestrebt wird.

Die abstrakten Werke von Mario Vandivinit, die Abbilder seiner Lebenserfahrungen, seiner Reisen und seiner Alltagserlebnisse sind, werden insbesondere dadurch geprägt, dass der Künstler die stilistische Uniformität ablehnt und dem Zeitgeist des Hier und Jetzt nachspürt. Das Wesen seiner Arbeit liegt in dem Prozess der Auflösung der Erinnerung, in der dynamischen Wechselwirkung der Farben, in seiner Leidenschaft für die Farbgebung, in seiner Spontaneität, seinem Mut und seiner künstlerischen Erfahrung.

Carole Schmitz
BA (Hons), MA

Übersetzung: Bumb Herrmann

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Mario Vandivinit – Painterly interplay of creativity, courage, spontaneity, colour and life experience

Mario Vandivinit is an artist inspired by the symbiotic and harmonious interplay of colours, the dynamic use of the paintbrush and the freedom of the artist to paint spontaneous in the here and now. He is a self-taught artist who strives of the courage and spirit to reinvent his artistic style. Through regularly redefining the applied technique he explores yet unknown relationships and interactions of colours on canvas. His paintings are non-representational, non-objective perceptions of the material world balanced on the border of abstraction and representation.

Mario Vandivinit who has been bursting with creativity since a young age, began his artistic career in the early 1980’s. He started his career by painting traditional landscape subjects using watercolours but became quickly impatient with the medium and yearned to progress on the artistic level. His visual language gradually became non-objective and by the 1990’s he had turned away from watercolours to acrylic paint to further explore the play that arises when painterly elements meet and interact on canvas. He is an abstract expressionist artist who expresses memories of moments, impressions of the material world through the interplay of colours. Over the last 20 years, the artist has  stayed loyal to the large scale canvas formats and the expressionist abstract method of painting, however he refuses to stay loyal to one artistic style and is constantly striving to further reinvent his practice.

The selected paintings represented in the catalogue; painted between 2008 and 2010 show a new artistic phase of creativity and spontaneous painterly courage of the artist. Whereas his previous series encompassed a choice of organic and objective items the current paintings merely reflect the abstract visual language the artist has been pursuing since the 90’s. By refusing to be repetitive in his artistic endeavour Mario Vandivinit is seeking a constant evolution and movement to challenge the viewer and to paint in the spirit of the contemporary art practice. The viewer is taken on a journey that focuses on a transparent texture and dynamic composition and simultaneously highlights the sensible  use of colour.

The paintings are a subconscious and spontaneous reaction to what the artist sees and experiences in life. The artworks are seldom abstractions of the material world influenced by the cognitive ability of the artist to produce a flux moment in time. He uses emotive colours and abstract shapes and a smooth texture to create visual metaphors of contemporary life. The radiance and interplay of colours is triggered by the artist travels, interest and  curiosity for different cultures especially of the Mediterranean region. As such one might often think to recognize the sea, the beach, boats or even markets in paintings due to the

subconscious depiction of dematerialised daily memories. Through the intuitive choice of paint the artworks are impregnated with a vibrant smell the Mediterranean seaside and intensity of the zest of life.

Whereas the artist has often used different materials for example sand, paper, pieces of silk or canvas in the creation of his previous series of paintings, the current paintings are characterised by the sole use of thin layers of diluted acrylic paint. Vandivinit’s process of painting involves a sequence of creation, destruction and new creation. This procedure reflects the artist’s fascination with the concept of creativity and spontaneity and how traces of paint that have been left over the period of painting can conclude in the final object of art. The choice of colours and composition is subconsciously constructed during the process of painting but one may recognize transparent characteristics that the artist used in the watercolours series which have been reinvented and reworked through the new technique of diluted acrylic paint. Creating the richness of the colours on the large canvas is captured through the enhancing power of complementary colours and black as a creative component. The distinctive quality of acrylic paint gives Vandivinit the opportunity to express the flux and the static to obtain a lucid, luminous and vivid effect. At the core of his artistic practice is the fascination and study of the Theory of Colours by Johann Wolfgang von Goethe published in 1810. The theory which explores the general exposition of how colour is perceived in a variety of circumstances lies at the centre of the artist’s practice.

In the Beginning

In the Beginning

The painting In the Beginning (2009) encompasses all the characteristics that the current series of paintings embraces. Strong complementary colours have been used as thin layers aligned with the use of black to convey a dynamic composition and intense creativity to form a dematerialistion inspired by the lights and colours of daily life.

The abstract works of Mario Vandivinit which exist along the continuum of his experiences in life, travelling and daily encounters are particularly shaped by the artist’s rejection of stylistic uniformity and infused with the Zeitgeist of the present moment. The essence of his practice lays in the process of the disintegration of the memory, the dynamic interplay of colours, a passion for colour, spontaneity, courage and artistic experience.

Carole Schmitz
BA (Hons), MA

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